Ein deutschsprachiges Reych in Thailand fällt nicht vom Himmel. Es braucht Deutsche, Österreicher und Schweizer, die im Land leben — und die gibt es hier seit über hundertfünfzig Jahren. Diese Seite erzählt die profane Vorgeschichte unserer Runde: Verträge, Konsuln, Eisenbahningenieure, einen Architekten, der Kriminalromane schrieb, und einen in Bangkok geborenen Deutschen, der die thailändische Nationalhymne komponierte.
1858 — der erste Vertrag kam aus Hamburg, Lübeck und Bremen
Am Anfang standen nicht Diplomaten, sondern Kaufleute. 1858 schlossen die drei Hansestädte Hamburg, Lübeck und Bremen einen Handelsvertrag mit Siam, ausgehandelt über ihren Repräsentanten in Singapur, Konsul Johannes Mooyer. Der Kaufmann Theodor Thies wurde erster deutscher Konsul in Bangkok — bevollmächtigt von König Mongkut, Rama IV.
Ab 1865 vertrat Paul Pickenpack (1834–1903) die hanseatischen Interessen als Konsul. Die deutsche Präsenz in Siam begann also als Handelsniederlassung, nicht als Staatsbesuch.
1862 — Eulenburgs Freundschaftsvertrag
Friedrich zu Eulenburg kam 1861 für Preußen nach Bangkok und schloss 1862 einen Freundschaftsvertrag ab. Damit war das Verhältnis zwischen Preußen und Siam zum ersten Mal auf eine staatliche Grundlage gestellt.
Es blieb keine Einbahnstraße: 1881 ging Prinz Prisdang Choomsai als erster siamesischer Diplomat nach Deutschland.
Eisenbahn, Bauten, Bücher — die Fachleute
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert kamen deutsche Ingenieure und Architekten ins Land, und einige haben dauerhafte Spuren hinterlassen:
- Karl Bethge (1847–1900) und Luis Weiler (1863–1918) — Eisenbahningenieure, die am Aufbau des siamesischen Eisenbahnnetzes arbeiteten.
- Karl Siegfried Döhring (1879–1941) — Architekt und Kunsthistoriker, von 1906 bis 1917 in Siam tätig. Später schrieb er unter dem Namen Ravi Ravendro Romane. Ein Baumeister, der zum Schriftsteller wurde: Stoff, mit dem man in einer Sippung eine Fechsung bestreiten kann.
Ein Deutscher schreibt die Nationalhymne
Die schönste Geschichte gehört Peter Veit (1883–1968). In Bangkok geboren, wirkte er unter dem Namen Phra Chenduriyang als Musiker im Dienst des siamesischen Hofes — und komponierte die thailändische Nationalhymne Phleng Chat, die seit 1932 gespielt wird.
Wer also in Thailand die Hymne hört, hört das Werk eines Mannes deutscher Herkunft, der in dieser Stadt geboren wurde. Es gibt kaum ein dichteres Bild für das, was zwischen beiden Ländern gewachsen ist.
Von der Gesandtschaft zur Botschaft an der South Sathorn Road
Die Bundesrepublik eröffnete am 22. Dezember 1952 eine Gesandtschaft in Bangkok, die am 24. Januar 1956 zur Botschaft wurde. Sie liegt an der 9 South Sathorn Road im Diplomatenviertel.
Zwischen 1972 und 1974 wurde an der Liegenschaft gebaut: Die nur 32 Meter breite Front zur Hauptstraße erhielt ein künstlerisch gestaltetes Tor und einen Zaun, entworfen von Erich Wiesner, einem Schüler Hans Uhlmanns. Das Öffnen und Schließen des Tores erzeugte wechselnde optische Eindrücke und einen verspielten Effekt — aus Sicherheitsgründen wurden diese heiter-ironischen Elemente später durch massive Technik ersetzt.
Genau in diese Jahre fällt der Beginn unseres Reyches. Der erste Ritter in Bangkok war Kanzler an dieser Botschaft, der zweite Architekt mit Bauaufsicht. Ob das Bauvorhaben, von dem unsere Chronik spricht, genau diese Einfriedung war oder ein Gebäude auf demselben Grundstück, ist nicht geklärt; die Jahre passen.
Und die Gegenwart
- 1962 — Gründung der Deutsch-Thailändischen Gesellschaft.
- Das Goethe-Institut Bangkok als kulturelle Anlaufstelle.
- 2008 — die Feier zu 150 Jahren deutsch-thailändischer Beziehungen, gerechnet vom Handelsvertrag der Hansestädte 1858.
Warum das ein Schlaraffenreych angeht
Weil die Antwort auf die Frage, wieso in Bangkok 1973 eine deutschsprachige Runde entstehen konnte, in dieser Kette liegt: Kaufleute, Konsuln, Ingenieure, eine Botschaft. Wo Menschen aus dem deutschen Sprachraum dauerhaft leben, entsteht irgendwann der Wunsch nach einem Abend in der eigenen Sprache — mit Kunst, Freundschaft und Humor. Das Castrum Siamesiae ist das späte Kapitel einer langen Geschichte. Wie es begann, steht auf unserer Geschichtsseite.
Die Angaben dieser Seite sind profane Geschichte und stützen sich auf öffentlich zugängliche Darstellungen zu den deutsch-thailändischen Beziehungen, zur Deutschen Botschaft Bangkok und zu den genannten Personen. Kein Punkt dieser Seite stammt aus schlaraffischen Quellen. Unsicher bleibt allein, welches Bauvorhaben an der Botschaftsliegenschaft 1972 bis 1974 unsere Chronik meint; eine Anfrage beim Auswärtigen Amt ist angeregt. Wer Ergänzungen oder Berichtigungen beitragen kann, möge sich bitte melden.